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Brief an Vaelithar
Lieber Vaelithar,
ich bin Becklin Uth Viharin, eine alte Freundin Ispin Grünschilds.
Ich wünschte, ich könnte Euch aus einem erfreulicheren Grund schreiben. Ispin ist friedlich in seinem Heim in Vogler verstorben.
Am Vorabend des Eisvogelfests werden seine Freunde hier zusammenkommen, um seiner zu gedenken und, wie Ispin es vermutlich selbst verlangt hätte, weniger über seinen Tod als über sein Leben zu sprechen.
Ich möchte Euch bitten, daran teilzunehmen. Unterkunft findet Ihr in der Blechkrabbe.
Unter seinen persönlichen Dingen befand sich zudem eine Nachricht mit Eurem Namen. Ich glaube, sie wird Euch mehr bedeuten als alles, was ich diesem Brief hinzufügen könnte.
Becklin Uth Viharin
Ritter der Krone
Beigefügte Notiz von Ispin
Vaelithar,
vermutlich bist du inzwischen groß genug, dass du es nicht mehr leiden kannst, wenn ich dir erzähle, wie du als Kind gewesen bist.
Das ist bedauerlich.
Denn ich habe ausgezeichnete Geschichten darüber.
Ich erinnere mich noch an einen kleinen Jungen, der unbedingt beweisen wollte, dass er eines Tages etwas Bedeutendes vollbringen würde. Ich glaube, deine Pläne änderten sich ungefähr jede Woche.
Einmal wolltest du ein großer Krieger werden.
Dann Entdecker.
Dann irgendein Held aus einer Geschichte, die dein Vater und ich dir erzählt hatten.
Und wenn ich mich recht erinnere, wolltest du für eine kurze Zeit sogar ein Drache werden. Wobei ich zugeben muss, dass dieser Plan einige praktische Schwierigkeiten hatte.
Dein Vater und ich haben oft darüber gesprochen.
Er war ein guter Freund.
Einer von denen, bei denen man irgendwann aufhört, sich zu erinnern, wann genau aus einer Bekanntschaft Freundschaft geworden ist.
Deshalb hatte ich bei dir wohl immer das Gefühl, ein wenig aufpassen zu müssen.
Nicht weil du das nötig gehabt hättest.
Sondern weil dein Vater mir wichtig war und du ihm wichtig warst.
Ich habe dich schon viel zu lange nicht mehr gesehen. Deshalb weiß ich nicht, welcher deiner großen Kindheitspläne am Ende übrig geblieben ist.
Vielleicht keiner.
Das wäre auch in Ordnung.
Ich hoffe lediglich, dass du weit gekommen bist.
Und noch mehr hoffe ich, dass du unterwegs Menschen gefunden hast, denen du vertrauen kannst.
Gute Freunde sind seltener als jedes magische Schwert und meistens sehr viel nützlicher.
Dein Vater war für mich ein solcher Freund.
Ich wünsche dir, dass du dasselbe findest.
Und falls du nach Vogler kommst, schau dich ruhig ein wenig um. Dort werden Menschen sein, die auf den ersten Blick wahrscheinlich kaum etwas miteinander verbindet.
Lass dich davon nicht täuschen.
Ein schweigsamer Mönch, ein Kender mit einer höchst ungewöhnlichen Beziehung zur Magie oder ein merkwürdiger Reisender können sich am Ende als wertvollere Gefährten herausstellen als jemand, von dem man es erwartet hätte.
Einige meiner besten Freundschaften haben genauso angefangen.
Ispin