Erzählung
Ispin und Kupfer
Vor vielen Jahren waren Ispin, Becklin und Keule auf dem Weg nach Sancrist. Wie genau sie dabei auf dem Berg Nimmermehr gelandet waren, konnte Becklin später nicht mehr sagen. Sie erinnerte sich nur daran, dass Ispin behauptet hatte, dort jemanden zu kennen.
Auf Nimmermehr begegneten sie einem gnomischen Artilleriemeister. Dieser besaß ein kleines braunes Wiesel namens Kupfer, das ihm angeblich bei seinen Berechnungen half. Am Morgen vor ihrer Ankunft hatten die Gnome eine neue Ferntransportvorrichtung erprobt, bei der es sich trotz aller gegenteiligen Beteuerungen im Wesentlichen um ein gewaltiges Katapult handelte.
Kupfer hatte sich unbemerkt in den Startkorb gesetzt und war beim ersten Versuch in Richtung Sancrist geschleudert worden. Der Artilleriemeister war dennoch davon überzeugt, dass sein Wiesel überlebt hatte. Seine Berechnungen sollten den Landepunkt immerhin auf ungefähr acht Meilen eingrenzen.
Keule und Becklin wollten ihr Mitgefühl ausdrücken und weiterreisen. Ispin hielt die Suche dagegen für durchaus machbar. So durchkämmten die drei mehrere Tage lang Wälder, Felder, einen verlassenen Steinbruch und sogar das Dach eines Klosters. Ispin bestand darauf, dass ein Tier mit genügend Geschwindigkeit beim Aufprall durchaus noch einmal abprallen konnte.
Am dritten Abend raste auf einer nahen Straße ein Wagen mit durchgegangenen Pferden auf sie zu. Während sich der Fahrer kaum auf dem Bock halten konnte, versuchten mehrere Männer auf der Ladefläche verzweifelt, etwas zwischen ihren Kisten einzufangen. Dort entdeckte Ispin schließlich Kupfer.
Niemand erfuhr je, wie das Wiesel tatsächlich auf den Wagen gelangt war. Ispin behauptete später, Kupfer sei genau an der berechneten Stelle gelandet. Der Gnom sah darin den Beweis, dass seine Maschine einwandfrei funktioniert hatte. Der Besitzer des Wagens schwor hingegen, das Tier sei bereits seit zwei Tagen bei ihm gewesen und habe einen halben Sack Trockenfleisch gefressen.
Ispin brachte die durchgegangenen Pferde unter Kontrolle, während Keule den Wagen vor dem Umstürzen bewahrte. Einige Wochen später brachten sie Kupfer zurück nach Nimmermehr. Der Artilleriemeister erklärte den Versuch daraufhin zum vollständigen Erfolg, schließlich hatte sein Versuchstier das vorgesehene Zielgebiet erreicht.
Mit den Jahren wurde Ispins Version der Geschichte immer größer. Zunächst sollte Kupfer absichtlich gestartet sein. Später hatte das Wiesel während des Fluges einen Adler besiegt, dann sogar zwei. In der letzten bekannten Fassung war Kupfer auf dem Tisch des Bürgermeisters von Sancrist gelandet und hatte dessen Mittagessen gestohlen.
Als Becklin Ispin einmal fragte, warum er eine gute Geschichte jedes Mal noch weiter ausschmücken musste, war seine Antwort ebenso schlicht wie bezeichnend. Die alte Version kannte er schließlich bereits.
Erzählt bei Ispins Trauerfeier
Ankunft in Vogler — Reisetag 10.