Startbrief
Brief an Miro
Lieber Miro,
ich bin Becklin Uth Viharin. Über unseren gemeinsamen Freund Ispin Grünschild habe ich bereits mehrfach von Euch gehört.
Leider schreibe ich Euch aus einem traurigen Anlass. Ispin ist hier in seinem Heim in Vogler friedlich verstorben.
Seine Freunde werden am Vorabend des Eisvogelfests eine Gedenkfeier für ihn abhalten. Es würde mir viel bedeuten, wenn auch Ihr nach Vogler kommen und gemeinsam mit uns sein Leben feiern würdet.
Solltet Ihr unserer Einladung folgen, findet Ihr Unterkunft in der Blechkrabbe.
Unter Ispins persönlichen Dingen befand sich außerdem ein Umschlag mit Eurem Namen. Er scheint ihn bereits vor einiger Zeit geschrieben zu haben. Ich lege ihn diesem Brief bei.
Becklin Uth Viharin
Ritter der Krone
Beigefügte Notiz von Ispin
Miro,
ich hoffe, du machst dir inzwischen etwas weniger Sorgen.
Ich weiß. Ein hoffnungsloser Wunsch.
Als ich dich damals in dieser Taverne getroffen habe, sahst du aus, als würdest du jeden Augenblick entweder davonlaufen oder mir gestehen, dass du aus Versehen halb Ansalon verflucht hättest.
Stattdessen hast du mir von deiner Magie erzählt.
Von Kräften, nach denen du nie gesucht hattest und die plötzlich trotzdem da waren. Von deiner Angst, dass irgendein Magier der Hochzauberei eines Tages vor dir stehen und dich zum Renegaten erklären könnte.
Und vor allem davon, dass du nicht einmal wusstest, wie du ihnen erklären solltest, was du eigentlich bist.
Ich glaube, du hast damals erwartet, dass ich dir eine besonders kluge Antwort gebe.
Deshalb tut es mir noch immer ein wenig leid, dass meine Antwort im Wesentlichen lautete: „Ich kenne da jemanden.“
Andererseits hat es funktioniert.
Ich war froh, dir den Kontakt zu meinem alten Freund aus den Roten Roben vermitteln zu können. Nicht weil ich glaubte, dass aus dir unbedingt ein gewöhnlicher Magier werden müsste. Gerade das warst du schließlich nie.
Sondern weil jemand dir zeigen musste, dass etwas Ungewöhnliches nicht automatisch etwas Falsches ist.
Vergiss das nicht.
Die Magier der Hochzauberei können dir Regeln, Geschichte und Disziplin beibringen. Das alles ist wichtig.
Aber lass dir von niemandem einreden, dass du dich dafür schämen musst, dass dein Weg anders begonnen hat.
Und vergiss bei all den Regeln und all den Fragen, die du dir stellst, nicht, dass die Welt größer ist als jeder Turm und jeder Orden. Geh hinaus. Sieh sie dir an. Lerne Menschen kennen, deren Wege ebenso ungewöhnlich sind wie deiner.
Ich habe im Laufe meines Lebens festgestellt, dass gerade aus solchen Begegnungen häufig die besten Freundschaften entstehen.
Ispin